kommunikation

Eine Kunst-Installation von
Ludo Vici

Atemnot - Hecheln - Urteil

Information und Aufklärung büßen im gleichen Maße ihren Nutzen und Wert ein, mit welchem sie in den Dienst einer Moral gestellt werden. Die Moral verformt die Information in ein Glaubenssystem. Überzeugungskraft beruft sich in der Folge auf Lautstärke. Es wird gebrüllt und gefuchtelt. Der Lärm macht taub und tumb. Wer soll da zuhören? Aber gerade das ist es, was jetzt so notwendig wäre: Zuhören. Zuhören bedeutet aber nicht nur den Austausch von Argumenten und Informationen zuzulassen, sondern sein Gegenüber im ganzen zu sehen, wieder verstehen zu lernen, dass Kommunikation Augenhöhe voraussetzt, auch und gerade wenn die Meinungen so bitter auseinandergehen wie das gerade der Fall ist.

Die Personenvereinzelungsanlage

drehkreuz

Eine Gesellschaft aber kann nicht atmen, wenn sie zu einer Ansammlung von Horden zerfällt. Der urinnerste Impuls für das Entstehen einer Gemeinschaft ist die Begegnung des Menschen mit dem Menschen. Das Erkennen des eigenen Selbst im anderen. Die Chance Kontakt aufzunehmen.
Die Installation befasst sich nicht mit den Glaubenssystemen, sondern führt den isolierten Menschen, das Hordenmitglied durch seine Einsamkeit hindurch zu diesem Moment der Begegnung.

Bedeutsam ist nicht das Urteil, das wir fällen, 
sondern dieser kleine zumeist unscheinbare Moment, in welchem wir das Urteil fällen. 
Dieser Moment, dieser Akkord von Impulsen, der uns leitet, öffnet den Weg in unser Innerstes.

Diesem Augenblick, in welchem das Urteil gefällt wird, bin ich nachgegangen und möchte ihn in meiner Installation zu einer Erfahrung machen. Ich möchte ihn beleuchten und dem Betrachter den Raum für ein Innehalten öffnen, weil ich glaube, dass wir diesem Moment zu wenig Beachtung schenken. Ist das Urteil einmal gefällt, halten wir in unserem Bewusstsein eine Reihe von scheinbar ausschließlich rationalen Argumenten bereit, um das Urteil zu begründen, darüber hinaus spielen aber viele weitere emotionale und unbewußte innere Regungen und Impulse eine Rolle, die im weiteren Verlauf der Verteidigung unseres Urteils verblassen, obgleich sie uns eine Einsicht in den Urteilsprozess gewähren können. Wenn es gelingt diese inneren Regungen und Impulse zu erleben, ist dies der Weg zu verstehen, dass auch in allen anderen Menschen diese Innenwelt lebendig ist und so können wir einen Ausgangspunkt finden uns wieder von Angesicht zu Angesicht, von Mensch zu Mensch zu begegnen.
Dies ist gerade Angesichts der Umbrüche, vor denen wir als Gesellschaft stehen, von essentieller Bedeutung, da ohne diese Qualität der Begegnung politische Kräfte entstehen und sich etablieren können, die alle unsere Ideale einer freien und humanistischen Gesellschaft zerreiben.

Die Installation gliedert sich in insgesamt 5 Räume

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Raum 1

Der erste Raum ist für das Publikum frei zugänglich. Er legt das Thema fest. Zu sehen sind das Logo sowie das Bild: Kommunikation 21
Am hinteren Ende ist eine Konstruktion mit einer Zersplitterung des Bildes De Persona, dahinter erscheint dieses im Ganzen.

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Kommunikation 21
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Raum 2

Ab hier werden für den folgenden Rundgang die Personen nur einzeln eingelassen. 

Tunnelwesen

Verschüchtert schleichen die Tunnelwesen, jedes für sich unter der Oberfläche. Auf Distanz, Isoliert, in Angst, unter Verdacht, Ohnmächtig einer diffusen Hoffnung ausgeliefert.

Raum 3

Vor Bildschirmen alleingelassen, quälen sie sich durch die neue Normalität der Moderne, stetig der Bewertung ausgeliefert.
Die Teilnahme am digitalen Gespräch ist aber an Bedingungen geknüpft. Die Algorithmen sind neugierig. Wollen Sie dabei sein? - Click Ok to continue.

In der Mitte des Raumes steht ein Quader mit einem QR-Code. Scannt man diesen, erscheint der Schriftzug „Click ok to continue“
auf dem Handy, bestätigt man diesen zeigt sich das Live-Bild einer Überwachungskamera, die oben im Raum installiert ist.

security camera

Raum 4

Dieser Raum stellt das eigentliche Zentrum der Installation dar. Hier geht es um den Moment der Begegnung und darum die Aufmerksamkeit eben darauf zu lenken wie ein einziges Wort zu einer Beurteilung des Gegenübers führt, spürbar zu machen wie sich dieser Moment anfühlt.

Zunächst erscheint der Raum dunkel. In der Mitte ist ein weißer Lichtpunkt. Sobald dieser betreten wird, werden 12 Portraits, die in einem Kreis um den Betrachter angeordnet sind, beleuchtet.

Anmerkung: Die Portraits in der Animation stammen aus meiner Arbeit als Fotograf. Es sind lediglich Beispiele, die der optischen Verdeutlichung dienen und spiegeln selbstverständlich nicht eine Meinung der jeweilgen Menschen dar.

Für die Konzeption des Raumes ist der auditive Anteil von entscheidender Bedeutung.

nach 2 Minuten. Verdunkelt sich der Raum wieder und ein Lichtsignal weist dem Zuschauer den Ausgang.

Raum 5

Nach dieser Begegnung geht es nun in den fünften und letzten Raum. Ist dies nun  ein Resümee oder eine Erklärung? Naturgemäß nicht. Schließlich ist dies eine Installation und kein Essay. Etwas Rätselhaftes, in dem nun weitere Töne in den Akkord hineindringen, die ganz subjektiv sind, die die Erfahrung in einen abstrakteren Kontext setzen, im besten Falle anreichern. Eben nicht erklärend, sondern gar etwas verspielt.

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 Zuletzt ist alles doch Entfaltung und Betrachtung. 
Mit einem Wort: Natur. Gestalt geworden in einem Bonsaibaum.

bonsai